{"id":387,"date":"2008-02-21T22:31:31","date_gmt":"2008-02-21T20:31:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/?p=387"},"modified":"2024-10-26T00:47:12","modified_gmt":"2024-10-25T22:47:12","slug":"4-etappe-madeira-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/?p=387","title":{"rendered":"4. Etappe (Madeira 2008)"},"content":{"rendered":"<h3>Ribeira Brava \u2013 Serra de \u00c1gua \u2013 Encumeada \u2013 Paul da Serra \u2013 Ponta do Sol \u2013 Ribeira Brava<\/h3>\n<p align=\"justify\">Der erste echte Einsatz meines gemieteten Seat erfolgt, um die Hochebene Paul da Serra von Ribeira Brava aus zu erobern. Ja, ich gebe zu, dass mein sportlicher Ansatz &#8220; auf der kleinen Insel brauche ich doch keinen Mietwagen&#8220; kl\u00e4glich gescheitert ist. Die Fehleinsch\u00e4tzung kann ich weder auf meine Erk\u00e4ltung, noch auf das etwas wechselhafte Wetter und auch nicht auf die Tatsache schieben, dass ich definitiv kein Fr\u00fchaufsteher bin: vor 11 Uhr komme ich aufgrund des klasse Fr\u00fchst\u00fccks nie bei Klenk&#8217;s weg. Aber was soll&#8217;s: das hier ist ja schlie\u00dflich ja auch Urlaub. Die Wahrheit ist einfach, da\u00df diese kleine Insel wirklich anspruchsvoller ist als ich gedacht habe. Die &#8222;Kartenspiele&#8220; zuhause um diese oder jene Tour zu planen haben einfach die Topografie gr\u00fcndlich untersch\u00e4tzt.<\/p>\n<p align=\"justify\"><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\">H\u00e4tte ich auf einer digitalen Karte mit guten H\u00f6hendaten geplant (gibt es leider von Madeira nicht), w\u00e4re mir wahrscheinlich gleich klar gewesen, das Touren um 140 km auf Madeira kurz mal eben genauso anspruchsvoll sind, wie der ber\u00fcchtigte &#8222;Maratona dels Dolomites&#8220; \u2013 der ist 138\u00a0 km und hat 4190\u00a0 H\u00f6henmeter. Zum Vergleich: eine Tour kombiniert aus Etappe 2 und 3 wie hier beschrieben h\u00e4tte 133\u00a0 km und 3800\u00a0 H\u00f6henmeter. Da kann ich noch so fr\u00fch aufstehen, aber wenn ich von Cani\u00e7o aus entlang der S\u00fcdk\u00fcste nach Porto Moniz fahre, geht wahrscheinlich auf dem R\u00fcckweg, oben auf der Encumeada, schon die Sonne unter. Von da aus h\u00e4tte ich dann aber noch einiges vor mir, bevor ich das ich ins Bett fallen kann&#8230; Wer also die Insel nicht gerade im &#8222;Tour de France Stil&#8220; erfahren und entdecken m\u00f6chte, der sollte sich besser ein Auto mieten. (Anmerkung: die Definition von &#8220; Tour de France Stil&#8220; bleibt jedem selbst \u00fcberlassen). Damit lassen sich dann auch aus anderen Ecken der Insel gut Touren starten. Meinen Startpunkt Ribeira Brava erreiche ich \u00fcber die Schnellstra\u00dfe R101 in k\u00fcrzester Zeit. Der Weg ist kein Vergleich zur Tour des 2. Tages, denn die R101 ist bis kurz vor Ribeira Brava autobahn\u00e4hnlich ausgebaut und l\u00e4uft f\u00fcr Madeira-Verh\u00e4ltnisse fast auf einer H\u00f6he. In Ribeira Brava sollte man sich die M\u00fche sparen lange nach einem Parkplatz zu suchen, denn Parkpl\u00e4tze sind offensichtlich selbst an einem ganz normalen Werktag und weit au\u00dferhalb des Ortes sehr rar. Unten am Strand gibt es ein kleines, sehr g\u00fcnstiges Parkhaus. F\u00fcr die 6 Stunden Parkzeit waren sp\u00e4ter gerade einmal 3,50 Euro f\u00e4llig \u2013 da lohnt Suchen kaum. Jetzt aber erst einmal von vorne. Das Thermometer im Auto zeigte irgendetwas um 23 \u00b0C. Genial! Ich packe meinen Renner im Parkhaus aus dem Seat und begebe mich nach drau\u00dfen. Ich bin begeistert: Strahlender Sonnenschein, kaum Wind und strahlend blauer Himmel \u00fcber dem Meer und den umgebenden Bergketten. Die blanke Temperaturangabe aus dem Auto verwandelt sich unter diesen Eindr\u00fccken in ein erstes Gef\u00fchl von Sommer. Vom Parkhaus direkt am Meer kann man den Weg Richtung Serra de \u00c1gua \/ S\u00e3o Vicente zur Encumeada erst einmal nicht verfehlen. Zun\u00e4chst muss man nur die ER104 auf dem Weg zur\u00fcck zur Rapida (VR1) fahren, den man gerade nach Ribeira Brava gekommen ist. Die Stra\u00dfe steigt von der K\u00fcste ab zwar bereits an, aber die Anstrengung h\u00e4lt sich erst einmal in Grenzen. Der Aufstieg beginnt heute erst einmal sehr gem\u00fctlich. An der Kreuzung zur Rapida beh\u00e4lt man den Kurs geradeaus Richtung Serra de \u00c1gua bei. Auch wenn es immer noch weiter bergauf geht, ist das hier und heute doch endlich einmal recht gut zum einfahren geeignet. Sanfte 3,6 % Durchschnittsteigung f\u00fchren mich die ersten 7 km nach Serra de \u00c1gua. Kein Vergleich zum &#8222;H\u00e4userkampf&#8220; von Cani\u00e7o hoch nach Camacha. Bei der Kreuzung kurz vor Serra de \u00c1gua f\u00fchrt der Weg dann nach links hoch zur Encumeada. Rechter Hand geht die Hauptstra\u00dfe VE4 an dieser Kreuzun weiter nach Ros\u00e1rio. Dieser Weg unterl\u00e4uft die Encumeada ganz einfach durch einen 4\u00a0 km langen Tunnel.<\/p>\n<p align=\"justify\">Kleine Anmerkung am Rande: wer eigentlich vorhat, nach S\u00e3o Vicente und die Nordk\u00fcste zu fahren, f\u00fcr den ist der Weg durch den Tunnel sicherlich die leichtere Alternative zur Encumeada, aber 1) wer will schon durch einen 4 km langen Tunnel radeln, noch dazu bei der tollen Landschaft, 2) keine Ahnung ob man mit dem Rad da durch fahren darf und 3) wer will sich schon nachsagen lassen, er h\u00e4tte einen der vielleicht sch\u00f6nsten P\u00e4sse Portugals einfach &#8220; getunnelt&#8220; \u2013 welche Schande! Also links hoch zur Encumeada. Dass heisst in diesem Fall, dass ab hier Schluss ist mit lustig. Moment falsch formuliert! Ich meinte nat\u00fcrlich: &#8220; Ab hier wird\u2019s lustig&#8220; . Das Teilst\u00fcck von Serra de \u00c1gua bis zur Passh\u00f6he ist etwa 6 km und kann auf dieser Strecke sich eine durchschnittliche(!) Steigung von 12 % gutschreiben, wobei es nach oben hin noch etwas steiler wird. Es ist kurz nach Mittag und erste Wolken ziehen auf, aber noch ist der Blick klar. Die sagenhafte Berglandschaft um mich herum macht die Steigung zwar nicht flacher, lenkt mich aber doch so sehr ab, dass ich die Passh\u00f6he auf rund 1000 Metern \u00fc. M. in gef\u00fchlter Rekordzeit erreiche.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_285_512_384.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-413\" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_285_512_384.png\" alt=\"Madeira_2008_285_512_384\" width=\"512\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_285_512_384.png 512w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_285_512_384-300x225.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">Oben am ersten Gasthaus beschlie\u00dfe ich, das erste Zwischenziel des Tages zu feiern, w\u00e4hrend sich die umliegenden Berge zunehmend in Wolken h\u00fcllen. Ich entschlie\u00dfe mich f\u00fcr den inzwischen bew\u00e4hrten Dreisatz aus \u201eCaf\u00e9 com Leite\u201c, \u201e\u00c1gua mineral gaseficada\u201c und \u201ePoncha\u201c. Das schafft Kraft f\u00fcr den anschlie\u00dfenden Anstieg zur Paul da Serra, der mit seinen 600 H\u00f6henmetern im weitern Verlauf auch nicht zu untersch\u00e4tzen ist. Die Wolkendecke, die beim Erreichen der Encumeada noch sehr l\u00f6chrig war ist inzwischen kompakt geworden. Als ich zur Paul da Serra aufbreche, h\u00e4ngen die ersten Wolken nur noch knapp \u00fcber der Passh\u00f6he. Auf etwa 1100 Meter habe ich den \u00dcbergang zum Wolkenmeer erreicht.<\/p>\n\n\n<div id=\"attachment_414\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_286_640_480.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-414\" class=\" wp-image-414 \" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_286_640_480.png\" alt=\"Madeira_2008_286_640_480\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_286_640_480.png 640w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_286_640_480-300x225.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-414\" class=\"wp-caption-text\">\u00dcbergang ins Wolkenmeer nach der Encumeada<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\">Von da an bewege ich mich erst einmal im nebligen Einerlei. Schade, aber daf\u00fcr schon wieder\u00a0 ein Grund mehr erneut nach Madeira zu kommen \ud83d\ude42 Weiterer Vorteil der nebligen Br\u00fche: man sieht nicht, was noch auf einen zukommt, denn ich habe das Gef\u00fchl, die Strecke zieht sich ganz sch\u00f6n. Immerhin bleibt die Steigung jetzt\u00a0 human und auch die Fahrt durch die Wolken ist nicht unbedingt kalt oder\u00a0 unangenehm. Dass es nicht kalt ist liegt aber wiederum sicherlich auch an der Tatsache, da\u00df es \u201eso sch\u00f6n\u201c bergauf geht und damit schlie\u00dft sich ein\u00a0 Kreis perfekter Symbiose aller Kletterfreunde unter den Radlern. Und bergab? Tja g\u2019scheid bergab geht es nat\u00fcrlich dann auch irgendwann, aber da kann jeder vor Start der Tour selbst entscheiden zwischen \u201ehart bleiben\u201c oder \u201egut ausger\u00fcstet sein\u201c. Aber nicht so schnell: noch bin ich ja auf dem Weg nach oben. Drei kurze Tunnel sind erst einmal zu passieren und f\u00fcr alle die vorhaben, das Ganze andersrum bergab kann ich nur sagen: Vorsicht, die Stra\u00dfen im Tunnel sind miserabel. F\u00fcr alle die wie ich hochfahren kann ich wiederum sagen: die Stra\u00dfenqualit\u00e4t ist wohl eher egal, denn f\u00fcr solche Feinheiten ist man zu langsam. Mit Nebel und Wolken hat man \u00fcbrigens auf der der feuchten und kargen Hochebene &#8222;Paul da Serra&#8220; allgemein sehr h\u00e4ufig zu rechnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_300_959_549.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-419\" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_300_959_549.png\" alt=\"Madeira_2008_300_959_549\" width=\"959\" height=\"549\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_300_959_549.png 959w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_300_959_549-300x171.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 959px) 100vw, 959px\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">Auch als ich schliesslich den Campo Grande auf ca. 1400 Meter \u00fcber dem Meer inmitten der Paul da Serra endlich erreicht habe, h\u00fcllt sich die Landschaft weiterhin die meiste Zeit in ihr wei\u00dfes Kleid. Ab und zu jedoch finden ein paar Sonnenstrahlen den Weg durch den Nebel und geben mir den Blick frei auf eine Landschaft, die ich so auf Madeira nach den Eindr\u00fccken der ersten Tage nicht erwartet h\u00e4tte. Auch wenn das Erlebnis hier oben nat\u00fcrlich ohne Nebel sch\u00f6ner gewesen w\u00e4re, so verleiht das\u00a0 Spiel der Sonne mit den Wolken der Landschaft etwas Spezielles und Reizvolles. Dieser Eindruck verst\u00e4rkt sich durch die Einsamkeit, denn Autos begegnen mir kaum an diesem Tag.<\/p>\n\n\n<div id=\"attachment_418\" style=\"width: 1280px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_298_1270_598.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-418\" class=\" wp-image-418 \" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_298_1270_598.png\" alt=\"Madeira_2008_298_1270_598\" width=\"1270\" height=\"598\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_298_1270_598.png 1270w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_298_1270_598-300x141.png 300w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_298_1270_598-1024x482.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1270px) 100vw, 1270px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-418\" class=\"wp-caption-text\">Hochebene &#8222;Campo Grande&#8220;: beeindruckende Stimmung bei in den Wolken<\/p><\/div>\n\n<a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_295_640_480.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_295_640_480.png\" alt=\"Madeira_2008_295_640_480\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/a>\n\n<a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_291_640_480.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-415\" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_291_640_480.png\" alt=\"Madeira_2008_291_640_480\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_291_640_480.png 640w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_291_640_480-300x225.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a>\n<p align=\"justify\">Mitten in der Ebene Campo Grande erscheint dann die Abzweigung links zur\u00fcck Richtung\u00a0 Ribeira Brava. Eine kleine Nebenstr\u00dfe, die ER209 f\u00fchrt \u00fcber Canhas zur\u00fcck an die S\u00fcdk\u00fcste nach Ponta do Sol. Von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung nach Ribeira Brava. Eine tolle Alternative gibt es an dieser Kreuzung sicherlich f\u00fcr alle Fr\u00fchaufsteher, die 1) ein wenig die Nordk\u00fcste kennenlernen wollen und 2) die Encumeada auch noch von der Nordseite entdecken und bezwingen wollen. Rechter Hand f\u00fchrt die ER209 an eben besagter Kreuzung auf dem Campo Grande Richtung Porto Moniz nach Ribeira da Janela. 21 km Abfahrt (gr\u00f6\u00dftenteils) hinunter zum Meer durch grandiose und einsame Natur (Parque Natural da Madeira) \u2013 so zumindest stelle ich mir das bei einem Blick auf die Karte vor, denn auf diesem Weg liegt keine einzige Ortschaft. Von Ribeira da Janela ginge es dann ca. 15 km relativ flach entlang des Meers \u00fcber Seixal nach S\u00e3o Vicente. Von dort aus hie\u00dfe es dann noch einmal alle Kr\u00e4fte mobilisieren: 12\u00a0 km geht es wieder hoch hoch zur Encumeada bevor man dann in rasender Abfahrt zur\u00fcck nach Ribeira Brava fliegen darf. Zum Weg den die ER209 von der Paul da Serra hinunter nach Ribeira da Janela nimmt kann ich leider nichts berichten. Das beschriebene St\u00fcck von Porto Moniz \u00fcber Seixal, S\u00e3o Vicente zur Encumeada bin ich jedoch am letzten Tag noch einmal kurz mit dem Auto abgefahren. Diese Strecke findet sich als &#8222;Bonus&#8220; am Ende meines Bericht zusammen mit einer\u00a0 GPX-Datei und einem\u00a0 H\u00f6henprofil. Vorab: es lohnt sich &#8211; allein wegen dieses Streckenabschnitts! Aber zur\u00fcck zu meinem R\u00fcckweg nach Ribeira Brava \u00fcber Canhas. Auf den ersten 2\u00a0 km, raus aus der Paul da Serra, wird die Sicht wieder schlechter und noch bevor sich Stra\u00dfe zum Meer hinunter st\u00fcrzt ist alles um mich herum in dichtesten Nebel geh\u00fcllt. &#8220; Na das kann ja heiter werden!&#8220; denke ich mir. Der Spruch hat aber angesichts der tr\u00fcben Suppe sogar noch etwas Positives&#8230; Es geht gleich mal gut los. Bei unter 100 m Sicht tauchen im oberen Teil edr Abfahrt urpl\u00f6tzlich gleich mal wieder 2 dieser miesen Weideroste von der \u00fcbleren Sorte auf. Das d\u00e4mpft meinen Abfahrtselan dann doch insgesamt erst einmal etwas. Trotzdem gilt nat\u00fcrlich auch hier: auf keinen Fall kurz vor oder auf diesen\u00a0 Dingern bremsen! Locker bleiben und geradeaus dar\u00fcber rollen ist hier angesagt. Am letzten Tag (\u201e5. Etappe\u201c) gibt es \u00fcbrigens die Antwort auf die Frage &#8222;kann\u2019s noch schlimmer kommen auf einer Abfahrt?&#8220; . Ja es kann! Nach dem letzten dieser Killergitter (als Kuh w\u00fcrde ich da \u00fcbrigens auch nicht dr\u00fcber laufen) geht es in die Eukalyptusw\u00e4lder der Confrarias. Ab hier heisst es jetzt wirklich die n\u00e4chsten 10 km bis Canhas volle Konzentration, denn die durchschnittlich(!) 10 % Gef\u00e4lle auf dieser Piste verlangen wirklich alles an radfahrerischem K\u00f6nnen. Ein Hauptgrund daf\u00fcr ist aber nicht das Gef\u00e4lle an sich, sondern die Tatsache, dass der Stra\u00dfenbelag die Bezeichnung Asphalt eigentlich nicht verdient. Bis zum n\u00e4chsten Ort wird man nach allen Regeln der Kunst durchgesch\u00fcttelt. Die mit Rissen \u00fcbers\u00e4te Stra\u00dfe erinnert eher an ein \u00fcberdimensionales Mosaik. Gerade weil die Stra\u00dfe meine volle Aufmerksamkeit fordert bin ich dankbar, dass es hier auch weiterhin keinen Verkehr hat. Aber wahrscheinlich ist gerade der miserable Stra\u00dfenzustand der Grund daf\u00fcr, da\u00df es hier eben keinen Verkehr hat. Wie auch immer, die Abfahrt macht trotzdem einen Heidenspa\u00df und unter etwa 800 Meter l\u00e4sst man dann, auch wie in den letzten Tagen auch den Nebel und die Wolken \u00fcber sich. Die Anstrengungen werden belohnt mit einem sagenhaften, freien Blick auf das Meer bei angenehmen Temperaturen. Weiter geht es dann ohne Anstrengung und mit kostenloser Sch\u00fcttel-Massage \u2013 was will man mehr? Im R\u00fcckblick w\u00fcrde ich aber an dieser Stelle sagen, dass es wahrscheinlich schlauer ist, diese Tour in umgekehrter Richtung zu fahren. Bergauf sollte die ER209 hoch zum Campo Grande O.K. sein, aber die Abfahrt von der Encumeada nach Ribeira Brava ist sicherlich sch\u00f6ner, weil der Stra\u00dfenbelag hier wirklich sehr gut ist. Das letzte St\u00fcck von Canhas nach Ribeira Brava begleitet mich wieder ein ungetr\u00fcbter Himmer und strahlender Sonnenschein.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_301_1276_598.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-420\" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_301_1276_598.png\" alt=\"Madeira_2008_301_1276_598\" width=\"1276\" height=\"598\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_301_1276_598.png 1276w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_301_1276_598-300x140.png 300w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008_301_1276_598-1024x479.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1276px) 100vw, 1276px\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">Ich bin mir sicher, da\u00df oben auf der Paul da Serra noch die Wolken h\u00e4ngen, aber hier unten bekommt man das nicht mit. Es ist wirklich kaum zu glauben, da\u00df ich gerade noch im dichtesten Nebel gefahren bin. Von Canhas hinunter nach Ponta do Sol warten weitere 5 km wirklich sch\u00f6ne Abfahrt auf den zuvor durchgesch\u00fcttelten Rennradler. Auf den abschlie\u00dfenden Kilometern kann man entweder jetzt schon bis ganz runter bis an die K\u00fcste und das letzte St\u00fcck flach unten am Meer entlang fahren oder oben auf der ER222 bleiben. Ich entscheide mich f\u00fcr letztere Variante und nehme meinen Abfahrtsschwung noch einmal mit hinein in die n\u00e4chste Steigung. Auf diese Weise kann ich den Ausblick \u00fcber der K\u00fcste noch etwas l\u00e4nger genie\u00dfen und umgehe ganz nebenbei die letzten beiden kurzen Tunnel von Ponta do Sol nach Tabua auf der VE3. Bei Tabua ist dann aber auch mein Tagesbedarf an H\u00fcgeln und Bergen endg\u00fcltig gedeckt und ich fahre ganz runter zur K\u00fcstenstrasse. Von Tabua aus zeigen meine Karte und der GPS eine Stra\u00dfe direkt entlang am Stand bis Ribeira Brava. Diese Stra\u00dfe ist zwar da, aber leider gesperrt. Die Alternative durch den etwa 2 km langen Tunnel ist allerdings weniger einladend. Ribeira Brava ist dierkt vor der Tunneleinfahrt aus bereits zu erkennen und einige Fu\u00dfg\u00e4nger, die die Absperrung passieren und Richtung Ribeira Brava laufen sprechen durchaus daf\u00fcr es einmal zu probieren. Ein kurzes St\u00fcck fahre ich auf dem Gehweg und ein wenig durch den harten Sand. Das letzte Teilst\u00fcck geht dann noch etwas \u00fcber Schotter, aber selbst f\u00fcr ein Rennrad ist das locker machbar, vor allem wenn man das Ziel schon vor Augen hat. Die letzten Kilometer zum Ziel am Kronplatz beim Giro d\u2019Italia sollten 2006 schlie\u00dflich auch \u00fcber eine Schotterpiste f\u00fchren&#8230; und hier auf Madeira schneit es nicht einmal im Gegensatz zum Giro 2006 am Kronplatz. Nach ca. 52 km und 1800 H\u00f6henmetern erreiche ich am Ende der gesperrten K\u00fcstenstrasse direkt wieder das Parkhaus und damit den Ausgangspunkt des Tages.<\/p>\n<p>&nbsp;<br>&nbsp;<\/p>\n\n\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/?p=5276\" data-type=\"post\" data-id=\"5276\">&nbsp;Zur\u00fcck zum Hauptbeitrag aller Etappen von Madeira 2008<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><br>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><span style=\"color: #008000;\">Karte mit H\u00f6henprofil: Klick auf die den Track oder die Liste+betreffender Track um das H\u00f6henprofil anzuzeigen;<\/span><br><span style=\"color: #008000;\">Klick auf den Track und dann im Fenster auf &#8222;GPX&#8220; zum Download um die gpx-Datei herunterzuladen;<\/span><\/li>\n<\/ul>\n\n\n<!-- -div of map -->\n<div  id=\"lfh-1-skin\" class=\"lfh-container \" style=\"position:relative;width:100%;\">\n<div id=\"lfh-1-fadable\" class=\"lfh-fadable \">\n    <div id=\"lfh-1\" class=\"lfh-map\" 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Ja, ich gebe zu, dass mein sportlicher Ansatz &#8220; auf der kleinen Insel brauche ich doch keinen Mietwagen&#8220; kl\u00e4glich gescheitert ist. Die Fehleinsch\u00e4tzung kann ich weder auf meine Erk\u00e4ltung, noch auf das etwas wechselhafte Wetter und auch nicht auf die Tatsache schieben, dass ich definitiv kein Fr\u00fchaufsteher bin: vor 11 Uhr komme ich aufgrund des klasse Fr\u00fchst\u00fccks nie bei Klenk&#8217;s weg. Aber was soll&#8217;s: das hier ist ja schlie\u00dflich ja auch Urlaub. Die Wahrheit ist einfach, da\u00df diese kleine Insel wirklich anspruchsvoller ist als ich gedacht habe. Die &#8222;Kartenspiele&#8220; zuhause um diese oder jene Tour zu planen haben einfach die Topografie gr\u00fcndlich untersch\u00e4tzt.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1242,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-387","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-touren"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/02\/Madeira_2008-298.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/pak1G4-6f","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/387","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=387"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/387\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5304,"href":"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/387\/revisions\/5304"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1242"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=387"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=387"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=387"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}