{"id":1328,"date":"2010-07-21T01:00:54","date_gmt":"2010-07-20T23:00:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/?p=1328"},"modified":"2018-09-23T14:30:21","modified_gmt":"2018-09-23T12:30:21","slug":"tour-du-mont-blanc-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/?p=1328","title":{"rendered":"Tour du Mont Blanc 2010"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Es ist Samstag, der 17. Juli 2010 gegen 19 Uhr. Ich verlasse das Race-Briefing zur ersten Auflage der Tour du Mont Blanc im kleinen Bergdorf Les Saisies in den franz\u00f6sischen Savoyen. Viel Neues habe ich nicht erfahren. Das \u00dcbliche halt: Abfahrtszeit, Streckenbeschilderung, die Stra\u00dfen sind nicht gesperrt, unbedingt an die Verkehrsregeln halten, wo befinden sich die Verpflegungsstellen und nicht zuletzt die Kontrollpunkte mit den Karenzzeiten. Wie gesagt, das \u00dcbliche halt. Aber: Ein Radmarathon, f\u00fcr den es am Vorabend ein eigenes Race-Briefing gibt, das deutet schon irgendwie auf ein besonderes Ereignis hin. Bei einem normalen Radmarathon holt man sich seine Startnummer ab, teilweise sogar erst am Tag des Rennens selbst, und gut ist\u2019s. Die Tour du Mont Blanc ist aber beileibe alles andere, als ein normaler Radmarathon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kombination aus Streckenl\u00e4nge und der zu bezwingenden Gipfel sucht in der Marathon-Szene ihresgleichen. Der Schauplatz des Spektakels ist das Mont Blanc Massiv. Genauer gesagt umrundet die Strecke dieses Marathons das Mont Blanc Massiv. Start und Ziel ist der Col des Saisies. Kenner dieser Region werden sich jetzt schon ihren Teil denken. F\u00fcr alle anderen zur Erkl\u00e4rung: f\u00fcr die Umrundung des Mont Blanc Massiv gibt es nicht viele Alternativen. Und mit dem Rad scheidet nat\u00fcrlich auch der Mont Blanc Tunnel aus. Die Alternative, f\u00fcr die sich der Veranstalter entschieden hat ist fast die k\u00fcrzeste und wartet mit einer Streckenl\u00e4nge von 330 Kilometer und 8000 H\u00f6henmeter Anstieg auf. Die Namen klangvoller P\u00e4sse s\u00e4umen die Strecke: Col des Montets, Col de la Forclaz, Col de Champex, Col de Grand Saint-Bernard, Col der Petit Saint-Bernard, Cormet de Roselend und schlie\u00dflich der Schlussanstieg hoch zum Ausgangspunkt nach Les Saisies. Und genau aus diesem Grund verlasse ich auch das Race-Briefing eben auch irgendwie schweigend und mit Respekt. Respekt vor der Strecke, auch wenn die Fakten nicht \u00fcberraschend sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegessen habe ich schon vor dem Race-Briefing, also nichts wie ab ins Bett, denn der Startschuss f\u00fcr dieses Radsport Abenteuer f\u00e4llt bereits vor dem Morgengrauen um 5 Uhr. In diesem Fall ist 3 Uhr aufstehen mit anschlie\u00dfender Fr\u00fchst\u00fccks-V\u00f6llerei Pflicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Knapp 8 Stunden sp\u00e4ter: Es ist kurz nach 3 Uhr und es duftet nach frischem Kaffee in meinem Apartment. Das Rad liegt bereits im Auto. Die kleine Aufw\u00e4rm\u00fcbung von Hauteluce hoch nach Les Saisies f\u00e4llt aus verst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden aus. Das Aufw\u00e4rmen \u00fcberlasse ich heute dem Auto. Mein Schlaf war sehr kurz, aber trotzdem erholsam. Nach einer ausgiebigen Dusche (meine eigentliche Aufw\u00e4rm\u00fcbung), zwei fett belegten Semmeln, einem Croissant mit Honig, einem reichhaltigen M\u00fcsli, Obst, einem Ei und 3 Tassen Kaffee f\u00fchle ich zu allem bereit. Wer noch nie einen Marathon gefahren ist, wird sich nun vielleicht fragen \u201eWie kann man mit so viel Essen im Bauch noch Berge radeln?\u201c Die Antwort ist \u201eMan kann \u2026 und zwar nur so\u201c. Die Di\u00e4tvariante geht in jedem Fall bei einer solchen Veranstaltung schief. Au\u00dferdem geht es auf den ersten 40 km bis Saint-Gervais-les-Bains erst einmal fast nur bergab. Da kann etwas zus\u00e4tzliches Gewicht (Stichwort \u201eHangabtriebskraft\u201c) nur n\u00fctzlich sein \ud83d\ude42<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Blick zum Himmel l\u00e4sst Gutes f\u00fcr den Tag erahnen. Es ist zwar noch stockfinster und mit 7 \u00b0C sehr frisch als ich ins Auto steige, aber der Himmel sieht trotz einiger Wolken nicht unbedingt nach Regen aus. Regen bei einen solchen Tour ist schon fast ein Killer-Kriterium. Ich bin schon viele Marathons bei Regen gefahren, aber lustig ist was anderes\u2026Und 330 km \u00fcber die h\u00f6chsten Alpenp\u00e4sse bei Regen, daran will ich gar nicht erst denken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend ich mein Auto hoch nach Les Saisies zum Start lenke und auf die Stra\u00dfe schaue denke ich nach. Dar\u00fcber, dass ich hier vielleicht irgendwann heute noch mit letzter Kraft am Abend oder in der Nacht hochkurbeln werde. Die Strecke von Hauteluce hoch zum Col des Saisies auf der ich gerade durch die Nacht fahre, ist identisch mit dem Schlussanstieg der Tour du Mont Blanc. Es ist keine furchteinfl\u00f6\u00dfende Steigung, aber nach 310 km sieht jeder Anstieg anders aus. Das hatte ich schon vor 3 Jahren beim La Marmotte erfahren. Beim Radmarathon \u201eLa Marmotte\u201c f\u00fchrt der Schlussanstieg die legend\u00e4re Rampe hoch nach Alpe d\u2019Huez. Ich bin die Alpe am Vortag des Rennens hochgefahren um die Startnummer abzuholen. Ein netter Anstieg. Ich bin ihn am Vortag des Rennes langsam hochgefahren um die Startnummer zu holen. Es gibt unz\u00e4hlige Anstiege in den Alpen, die anspruchsvoller und anstrengender sind. Am Tag des Rennes nach 160 km, dem Glandon, dem T\u00e9l\u00e9graphe und Galibier in den Beinen sah die Sache dann aber komplett anders aus. Sicherlich nicht unm\u00f6glich, aber eben auch unvergleichlich zu Vortag. Eben anders und viel schwieriger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcck nach Les Saisies. Es ist kurz nach 5 Uhr morgens. Mit ein paar Minuten Versp\u00e4tung erfolgt der Start und das Feld rollt von Les Saisies hinunter ins Tal Richtung Saint-Gervais-les-Bains. Der erste Teil der Abfahrt ist wirklich beeindruckend. Bereits kurze Zeit nach dem Start zieht sich ein langgezogener Steifen aus wei\u00dfen und roten Lichtern den Berg hinab. Und w\u00e4hrend das Fahrerfeld im Rausch der Geschwindigkeit dem Tal entgegen strebt, wechselt der Horizont ganz langsam, zun\u00e4chst fast unmerklich, sein Aussehen. Das tiefe schwarz der Nacht wechselt fast unmerklich in ein sonderbares schwarzblau, vor dem sich die Schattenrisse der Bergketten abzeichnen. Auf der Abfahrt ist es frisch, aber ich friere nicht.\u00a0 Der eben beschriebene Anblick, der sich mir hier im Morgengrauen bietet, ist viel zu sch\u00f6n um zu frieren. M\u00fcsste ich mich nicht auf die Stra\u00dfe konzentrieren k\u00f6nnte ich mich in dem Anblick verlieren. Eine kurze Flachpassage zwischen Notre-Dame-de-Bellecombe und Saint-Gervais-les-Bains sorgt dann letztlich daf\u00fcr, dass nicht nur die Seele, sondern auch der K\u00f6rper warm wird. Nach einer vorl\u00e4ufig letzten Abfahrt von Meg\u00e8ve runter nach Saint-Gervais-les-Bains ist dann erst einmal Schluss mit Beine hochlegen. Richtung Chamonix geht es nun zum ersten Mal zur Sache. Zwar ist die Steigung sehr moderat (im Mittel ca. 3,1 % bis Les Houches), aber von alleine rollt hier jetzt nichts mehr. Immerhin ist die Stra\u00dfe recht nett. Als ich mit dem Auto vor ein paar Tagen auf der E25 aus Richtung Chamonix nach Les Saisies gefahren bin, habe ich mich schon sehr interessiert gefragt, wie wohl die Strecke in Richtung Chamonix auf diesem Teilst\u00fcck verlaufen soll. Toll sah das auf der Schnellstra\u00dfe n\u00e4mlich nicht aus. Das Tal ist sehr eng. Viel Platz f\u00fcr eine nette Nebenstra\u00dfe schien da nicht zu sein. Die Stra\u00dfe von Saint-Gervais-les-Bains \u00fcber Servoz, Les Houches und Les Bossons nach Chamonix beeindruckt mich nun dagegen schon sehr. Klein aber fein. Dazu kommt, das ich mich die meiste Zeit in netter Gesellschaft eines Franzosen aus Carcassone befinde: Albert Bertrand. Bis zum Forclaz fahren wir immer mal wieder zusammen und unterhalten uns gut. Ist schon witzig, aber der bl\u00f6de Spruch \u201edie Zeit vergeht wie im Flug\u201c stimmt manchmal wirklich, denn bis zum Col des Montets hinter Chamonix (Kilometer 80 nach knapp 3 Stunden) l\u00e4uft das Rennen fast von alleine. Anstrengung: Fehlanzeige!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch das Wetter ist die Wucht und tr\u00e4gt seinen Teil dazu bei, dass meine Stimmung wirklich pr\u00e4chtig ist. Es ist zwar erst 8 Uhr und immer noch recht frisch, aber die Sonne bahnt sich bereits fast unbedr\u00e4ngt von erstzunehmenden Wolken ihren Weg nach oben. Einen Augenblick lang l\u00e4sst dieses gewisse untr\u00fcgliche Gef\u00fchl erahnen, dass das genau DER richtige Tag ist. In diesem Augenblick wei\u00df man, das man genau an solch einem Tag so ein Rennen fahren muss. W\u00e4hrend wir durch Chamonix fahren h\u00e4ngen noch ein paar Wolken in den schneebedeckten Gipfeln, aber immer mehr blaue Flecken deuten schon jetzt auf einen denkw\u00fcrdigen Sommertag in den Bergen hin. Was auch immer passieren wird, ich wei\u00df, dass das hier ein unvergleichliches Erlebnis werden wird!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz hinter Chamonix wartet bei Argenti\u00e8re mit dem Col des Montets der erste kleine Pass des Tages. Allerdings f\u00e4llt der offizielle 1461 m hohe Pass irgendwie gar nicht so richtig auf. Offensichtlich sind meine Gedanken schon ganz bei den Alpenriesen, die da bereits auf mich warten. Und so dr\u00fccke ich den kleinen Montets einfach gedanklich weg. Von Chamonix aus hat der Montets \u00fcbrigens auch gerade mal knapp 500 H\u00f6henmeter. In Summe gerade mal 1300 H\u00f6henmeter Anstieg hat man bis hierher in den Beinen. Das erste Drittel der Strecke zieht sich zwar, aber zum Einrollen und locker werden ist das genau das Richtige. Und entsch\u00e4digt wird man zudem durch die unglaublich spektakul\u00e4ren Ausblicke auf das Mont Blanc Massiv, die man immer wieder erhaschen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz hinter Vallorcine geht es nach einer kleinen aber feinen Abfahrt hinein in die Schweiz. Bezogen auf die gesamt Strecke ein kurzes Intermezzo. Aber mit dem Gro\u00dfen St. Bernhard Pass hat es dieses Intermezzo in sich. Links erhasche ich gerade noch einen kurzen Blick auf den Lac d&#8217;\u00c9mosson, bevor der unmittelbar nach dem Passieren der Grenze der Anstieg zum 1527 m hohen Col de la Forclaz beginnt. Allerdings ist auch der Forclaz mit seine 400 H\u00f6henmetern Anstieg noch keine so richtige Herausforderung. Einerseits ist der Anstieg mit ca. 8 km relativ kurz und die Steigung mit ca. 5% nur moderat. Andererseits lohnt es sich zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht so richtig Tempo zu machen. Der Tag ist noch lang und die richtigen H\u00e4mmer kommen ja erst noch. Und dann dieses Panorama! Die Haarnadelkurve kurz vor der Passh\u00f6he des Forclaz gibt an diesem klaren und sonnigen Tag einfach nur atemberaubende Blicke auf die 4000er des Aiguille du Dru, Aiguille Verte und Aiguille du Jardin frei. Zu diesem Zeitpunkt ist im Anstieg ist auch noch genug Zeit f\u00fcr die eine oder andere kurze Unterhaltung. Die richtige Krafteinteilung ist halbe Miete und bis hierher l\u00e4uft alles nach Plan. Nach 1700 H\u00f6henmetern und 100 km f\u00fchlen sich meine Beine noch super an. Die Vorbereitungsrennen &#8222;La Ventoux&#8220; und &#8222;Les 3 Ballons&#8220; ein paar Wochen vorher zeigen bereits jetzt, dass sich die intensive Vorbereitung echt ausgezahlt hat. Wobei nat\u00fcrlich auch jedes dieser sogenannten &#8222;Vorbereitungsrennen&#8220; selbst ein echter Saisonh\u00f6hepunkt war. Aber dann hei\u00dft es alle bisherigen Saisonh\u00f6hepunkte gedanklich zur Seite schieben. Es gilt, sich auf die erste richtig anspruchsvolle Abfahrt des Tages vom Forclaz hinunter nach Martigny zu konzentrieren.\u00a0 Immerhin ist die Stra\u00dfe in einem super Zustand. Es gibt viele lange, breite und kerzengerade Stra\u00dfenabschnitte. Bei einem Durchschnittsgef\u00e4lle von ca. 7,7 % auf 13 km kommt ein echter, erster Geschwindigkeitsrausch auf. Der Blick hinunter zum tief unten im Tal liegenden Martigny ist faszinierend. Wenn man sich doch nur nicht so auf die Abfahrt konzentrieren m\u00fcsste. Und dann, obwohl ich nun wirklich nicht gerade mit Lichtgeschwindigkeit den Berg runterfahre, passiert es\u2026nein, gl\u00fccklicherweise kein Sturz und auch keine Panne. Aber trotzdem \u00e4u\u00dferst \u00e4rgerlich. Ich bin mit 60 \u2013 70 km\/h voll konzentriert auf die Stra\u00dfe und eigentlich ist die Strecke auch gut ausgeschildert. Zudem habe ich mir vorab auch das Roadbook angeschaut. Als ich jedoch in der Abfahrt eine gr\u00f6\u00dfere Abzweigung nach rechts unten passiere, bin mir f\u00fcr einen Wimpernschlag nicht sicher, ob der Wegweiser nicht doch rechts runter ging. Ich z\u00f6gere 2 Sekunden und bin nat\u00fcrlich schon einigen hundert Meter weiter unten. Jetzt einfach weiterfahren und unten in Martigny festzustellen, dass ich 6 km weiter oben h\u00e4tte rechts abbiegen sollen? Das w\u00e4re irgendwie schon absolut d\u00e4mlich. Ich steige in die Eisen. Bei dem Speed bringe das Rad erst ein paar hundert Meter nach der Abzweigung zum Stehen. Hilft nichts. Umdrehen und nachschauen. Irgendwie komme ich mir schon komisch vor bei Hochfahren, aber was soll\u2019s. Es hat auch schon Profis gegeben, die zum Ende eines Rennens v\u00f6llig verwundert disqualifiziert wurden, weil sie v\u00f6llig unbewusst eine \u201eAlternativstrecke\u201c gew\u00e4hlt haben. Oben an besagter Abzweigung angekommen stelle ich dann fest, dass ich doch nicht auf dem Holzweg gewesen w\u00e4re. Ich hake den Vorfall mehr beruhigt als ver\u00e4rgert ab und nehme schnell wieder Fahrt auf in Richtung Martigny. Warum sollte ich mich schon \u00fcber 2 Minuten Zeitverlust \u00e4rgern: ich bin erst mal 4 Stunden unterwegs und der Tag hat gerade erst begonnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unten angekommen im Tal sorgt die Morgensonne bereits f\u00fcr angenehme 20 \u00b0C. Im sanften Anstieg folgt der Streckenverlauf nun der E27 Richtung Gro\u00dfer Sankt Bernhard Pass. Allerdings w\u00e4hrt der sanfte Anstieg nicht wirklich lange. Wenige Kilometer hinter Martigny in Les Valettes, ungef\u00e4hr bei Kilometer 110, verl\u00e4sst die Strecke die Kantonsstra\u00dfe. Der Weg \u00fcber Sembracher, weiter auf der Kantonsstra\u00dfe w\u00e4re sicherlich deutlich einfacher und k\u00fcrzer. Allerdings w\u00e4re dieser Weg mit Sicherheit auch nicht halb so sch\u00f6n wie das, was nun hoch zum Col de Champex folgt. Zudem m\u00f6chte der Veranstalter auf 8000 H\u00f6henmeter kommen und das geht eben nicht \u00fcber Sembracher, sondern nur \u00fcber den Col de Champex.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber bevor es bergan und nach Champex geht, ist erst einmal Pause angesagt. In Les Vallettes ist die erste gr\u00f6\u00dfere Verpflegungsstelle. Zudem ist hier der erste Kontrollpunkt f\u00fcr die Zwischenzeit. Es ist gerade einmal 9:17 als ich in Les Valettes eintreffe. Das Zeitlimit f\u00fcr die Passage bei Les Vallettes ist mit 11:00 Uhr angegeben. Das hei\u00dft f\u00fcr mich: alles voll im gr\u00fcnen Bereich! Ich steige also erst einmal vom Rad und bediene mich ausgiebig an belegten Br\u00f6tchen, Obst und vor allem an allem Fl\u00fcssigen, denn mittlerweile klettert das Quecksilber schon gegen 25 \u00b0C. Naja, 1000-mal besser als Regen, K\u00e4lte und Schmuddel-Wetter. Denn jetzt geht es mit den Bergen ja erst so richtig los! Der Col de Champex ist zwar mit 1498 m H\u00f6he etwas niedriger als der Forclaz, allerdings geht\u2019s jetzt auf ca. 600 m H\u00f6he los. Die n\u00e4chsten 12 km bieten eine Durchschnittsteigung von etwa 7,5 %. Als ich nach einer guten viertel Stunde die kleine Pause beende, und mich wieder aufs Rad setzte f\u00fchlen sich die ersten Kilometer ganz sch\u00f6n z\u00e4h am. Die kleine malerische Stra\u00dfe, die sich in vielen Kehren nach Champex hochwindet, entsch\u00e4digt so gut sie das kann f\u00fcr die Anstrengung. Der Aufstieg dauert eine gute Stunde, und mit jedem Kilometer l\u00e4uft es wieder besser. Oben angekommen passiere ich auf der Passh\u00f6he den kleinen, h\u00fcbschen Ferienort Champex der am gleichnamigen See liegt. Ich muss zugeben, ich habe vorher noch nie was vom Col de Champex (1498 m) geh\u00f6rt. Ich kann nur jedem Radler raten, diesen Pass einmal mitzunehmen. Die meisten denken bei dieser Route um das Mont Blanc Massiv vielleicht zuerst an den Col du Grand Saint-Bernard. Allerdings ist der Umweg \u00fcber den Champex wirklich jede Anstrengung wert \u2013 \u00fcbrigens anders als der Anstieg zum Gro\u00dfen Sankt Bernhard Pass wie wir gleich h\u00f6ren werden\u2026 Es folgt eine kurvige und sch\u00f6ne Abfahrt hinunter nach Orsi\u00e8res. Hier trifft die Route der Tour du Mont Blanc nach 130 km nun wieder auf die E27. Und hier beginnt nun auch direkt der Anstieg zum Gro\u00dfen Sankt Bernhard Pass.<\/p>\n<div id=\"attachment_1379\" style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_anfahrt_col_grand_st_bernhard_unten.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1379\" class=\" wp-image-1379 \" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_anfahrt_col_grand_st_bernhard_unten.jpg\" alt=\"Einstieg zum Col de Grand Saint-Bernard kurz hinter Orsi\u00e8res nach 130 km und 2700 H\u00f6henmetern Anfahrt\" width=\"1280\" height=\"960\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_anfahrt_col_grand_st_bernhard_unten.jpg 1280w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_anfahrt_col_grand_st_bernhard_unten-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_anfahrt_col_grand_st_bernhard_unten-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1379\" class=\"wp-caption-text\">Einstieg zum Col de Grand Saint-Bernard kurz hinter Orsi\u00e8res nach 130 km und 2700 H\u00f6henmetern Anfahrt<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Knapp 2700 H\u00f6henmeter Anstieg nach knapp 6 Stunden Fahrt zeigt mein kleiner Tacho nun an. Kurzer Check. Beine: f\u00fchlen sich noch frisch an. Wetter: sonnig, warm bei 22 \u2013 23 \u00b0C. Allgemeines Befinden: Super! Allerdings sind die vor mir liegenden 26 km Anstieg hoch zur Passh\u00f6he nun doch schon furchteinfl\u00f6\u00dfend. Hinzu kommt eine leichte Unsicherheit bez\u00fcglich der Verpflegung. Ich habe zwar in Les Vallettes alle Flaschen und Trikottaschen gef\u00fcllt, aber bis ganz oben an der Passh\u00f6he kommt nun keine offizielle Verpflegungsstelle mehr. Und der Champex hat schon einmal fast ein ganzes Wasser-Bidon gekostet. Wenn das mal reicht\u2026Immerhin kann man sich ja noch selbst verpflegen und was kaufen. Das ist nie verboten. Der Anstieg zum Gro\u00dfen Sankt Bernhard Pass hat allerdings auch in dieser Hinsicht seine T\u00fccken. Ich kenne die Strecke ein wenig und viele Gastst\u00e4tte, Tankstellen oder gar Ortschaften gibt es auf den folgenden 26 km nicht. Einfach mal in den n\u00e4chsten Supermarkt neben der Stra\u00dfe gehen ist hier nicht drin. Also gilt hier noch viel mehr als sonst: Augen auf und rechtzeitig nachtanken. Sonst kommt der Mann mit dem Hammer schneller als mir lieb ist. Der Schnitt, den ich auf den nun folgenden 20 km hinlege ist nicht wirklich berauschend. Es l\u00e4uft so dahin. Der Schnitt liegt so bei 13 km\/h und so richtig genie\u00dfen mag ich die Strecke trotz des tollen Wetters und der grandiosen Berglandschaft auch nicht. Der Hauptgrund liegt am unmittelbaren Ambiente, das die Hauptstra\u00dfe hier bietet. Es ist Sonntag und es ist recht reger Verkehr. Eigentlich st\u00f6ren mich solche Nebens\u00e4chlichkeiten sonst eher nicht. Das Problem bei dieser Strecke ist, dass die Stra\u00dfe immer wieder durch Galerien und Tunnels f\u00fchrt. Es ist eng und zumeist auch ohrenbet\u00e4ubend laut. Ich bin den Gro\u00dfen Sankt Bernhard Pass mittlerweile schon ein paar Mal gefahren und w\u00fcrde behaupten, dass der \u201eGro\u00dfe Bernhard\u201c nicht mein Lieblingspass wird. Vielleicht k\u00f6nnten wir beide ja mal an einen autofreien Tag Freundschaft schlie\u00dfen. Die umgebende Landschaft h\u00e4tte eigentlich eine Liebeserkl\u00e4rung verdient. Ich mache zwei kleine Stopps. Eine kleine Tankstelle irgendwo im Anstieg bewahrt mich zwischenzeitlich vor dem drohenden Austrocken. Zwar wird es im Anstieg immer k\u00fchler, aber wer in der K\u00e4lte schwitzt, der schwitzt eben trotzdem noch. Kurz hinter dem Lac de Toules verzweigt sich die Stra\u00dfe dann endlich: W\u00e4hrend sich die Hauptstra\u00dfe und damit auch der Hauptverkehr durch den Tunnel w\u00e4lzen biege ich auf der kleineren Stra\u00dfe zur Passh\u00f6he nach rechts ab. Nat\u00fcrlich macht das jetzt nat\u00fcrlich die Fahrt auf den n\u00e4chsten 6 Kilometern nicht einfacher. Die Steigung zur Passh\u00f6he zieht abrupt von durchschnittlich 5,5 % auf durchschnittlich 8,6 % an. Andererseits denke ich mir: endlich Ruhe und ich kann diese grandiose Hochgebirgslandschaft etwas mehr genie\u00dfen. Und siehe da: gleich habe ich das Gef\u00fchl, dass es besser l\u00e4uft. Wie ich sp\u00e4ter feststellen werde, werde ich in Wahrheit deutlich langsamer. Aber das ist eben der Unterschied. Die reinen Daten des Radcomputers sind das Eine. Wie man sich tats\u00e4chlich f\u00fchlt ist das Andere. Ich bin kein Profi und daher z\u00e4hlt unterm Strich finde ich Letzteres\u2026<\/p>\n<div style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_anfahrt_grand_st_bernhard.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_anfahrt_grand_st_bernhard.jpg\" alt=\"20110801_tdmb_anfahrt_grand_st_bernhard\" width=\"1280\" height=\"960\" \/><\/a><p class=\"wp-caption-text\">Alte Passstrasse hoch zum Col de Grand Saint-Bernard nach Verlassen der E27<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Anstieg zum Gro\u00dfen Sankt Bernhard hat es echt in sich, aber die letzten 6 Kilometer vers\u00f6hnen f\u00fcr die Strapazen der ersten 20 Kilometer des Anstiegs seit Orsi\u00e8res.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach zweieinhalb Stunden erreiche ich die Passh\u00f6he um 13:30. Nun bin ich seit ungef\u00e4hr 8,5 Stunden im Sattel \u00a0und unterschreite das das Zeitlimit von 14:00 Uhr auf der Passh\u00f6he noch ganz gut. Auch habe ich nun schon 4240 H\u00f6henmeter und 157 km auf dem Buckel. Halbzeit also! Jedoch habe ich im Vergleich zum Kontrollpunkt \u201eLes Vallettes\u201c doch schon einiges von meinem Zeitpolster eingeb\u00fc\u00dft. Naja, nur keine Hektik aufkommen lassen, das w\u00e4re jetzt grundverkehrt. Das Wetter h\u00e4lt und die Sonne scheint, aber es ist schon extrem frisch hier oben auf 2469 Meter \u00fcber dem Meer.<\/p>\n<div id=\"attachment_1388\" style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_lac_cpl_grand_st_bernhard.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1388\" class=\" wp-image-1388 \" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_lac_cpl_grand_st_bernhard.jpg\" alt=\"Wundersch\u00f6n aber auch sch\u00f6n frisch trotz Sonnenschein: auf dem Col de Grand Saint-Bernard\" width=\"1280\" height=\"960\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_lac_cpl_grand_st_bernhard.jpg 1280w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_lac_cpl_grand_st_bernhard-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_lac_cpl_grand_st_bernhard-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1388\" class=\"wp-caption-text\">Wundersch\u00f6n aber auch sch\u00f6n frisch. Trotz Sonnenschein hat es auf dem Col de Grand Saint-Bernard gerade mal so knapp 10 \u00b0C<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin froh, dass ich meinem Beutel mit extra Kleidung und Verpflegung genau hier deponiert habe. Ich ziehe mich kurz um und mach dann erst einmal 15 Minuten Pause und esse ausgiebig. Mein Puls bei der Ankunft oben auf der Passh\u00f6he hatte mir gezeigt, dass die k\u00f6rpereigenen Speicher nicht mehr wirklich gut gef\u00fcllt sind. Die n\u00e4chste gr\u00f6\u00dfere Verpflegungsstelle ist leider erst im Aostatal. F\u00fcr den Moment hei\u00dft das, so viel essen und trinken wie nur reingeht. Immerhin ist der h\u00f6chste Punkt der Tour du Mont Blanc gemeistert. Alle anderen P\u00e4sse sind niedriger. Das erscheint auf den ersten Blick beruhigend. Zu beruhigend. Die noch bevorstehenden Anstiege sind keinesfalls zu untersch\u00e4tzen. Vor allem der Anstieg zu kleinen Sankt Bernhard hat es in sich. Der Anstieg ist zwar etwas \u201eflacher\u201c (bei 5 % sollte man eigentlich nicht von flach sprechen) aber mit 30 Kilometern L\u00e4nge noch einmal um 4 Kilometer l\u00e4nger als das was ich gerade hinter mich gebracht habe. Kurz vor 14 Uhr f\u00fchlt sich dann wieder alles locker an und ich nehme die Abfahrt unter die R\u00e4der. Und was f\u00fcr eine Abfahrt das ist! Der Oberhammer! Etwas Vergleichbares ist schwer zu finden.<\/p>\n<div id=\"attachment_1389\" style=\"width: 970px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_grand_st_bernhard_abfahrt.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1389\" class=\" wp-image-1389 \" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_grand_st_bernhard_abfahrt.jpg\" alt=\"Die ersten Meter auf der Abfahrt vom Gro\u00dfen St. Bernhard. Unvergleichlich!\" width=\"960\" height=\"1280\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_grand_st_bernhard_abfahrt.jpg 960w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_grand_st_bernhard_abfahrt-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_grand_st_bernhard_abfahrt-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1389\" class=\"wp-caption-text\">Die ersten Meter auf der Abfahrt vom Gro\u00dfen St. Bernhard. Unvergleichlich!<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">33 Kilometer mit durchschnittlich 5,2 % Gef\u00e4lle. Ich bin kein toller Abfahrer, aber das macht nun wirklich einen Heidenspa\u00df. Und w\u00e4hrend ich so gen Tal schie\u00dfe wird es auch immer w\u00e4rmer. Ich bin im siebten Radler-Himmel. Die Gaudi nimmt erst in Aosta an der Abzweigung Richtung Courmayeur ein Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis zur n\u00e4chsten Zeitkontrolle und gro\u00dfen Verpflegungsstelle im Aostatal sind es von hier aus nur noch ungef\u00e4hr 23 Kilometer. Die Stra\u00dfe steigt leicht an, was nicht ganz so schlimm ist. Das kleine Problem hier unten ist nun jedoch die fast erschlagende Hitze, die bei der Abfahrt noch so angenehm war. Es ist jetzt fast 15 Uhr und die Sonne brennt unbarmherzig von oben herunter. Das Aostatal hat die Hitze im Laufe des Tages begierig aufgenommen und nun zeigt das Thermometer sagenhafte 37 \u00b0C im Schatten an. Leider hat es hier keinen Schatten. Aber mein Motto in solchen F\u00e4llen ist und bleibt: lieber so als bei 10 \u00b0C und Regen. Also l\u00e4cheln, dankbar sein und immer locker weiter kurbeln ohne Murren und knurren :-).<\/p>\n<div id=\"attachment_1391\" style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_valle_aoste_1.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1391\" class=\" wp-image-1391 \" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_valle_aoste_1.jpg\" alt=\"Sieht harmlos aus, ist es aber nicht: die Fahrt durchs Aostatal am Nachmittag bei 37 \u00b0C\" width=\"1280\" height=\"960\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_valle_aoste_1.jpg 1280w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_valle_aoste_1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_valle_aoste_1-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1391\" class=\"wp-caption-text\">Sieht harmlos aus, ist es aber nicht: die Fahrt durchs Aostatal am Nachmittag bei 37 \u00b0C<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach 10 Stunden und 42 min Fahrt erreiche ich also den n\u00e4chsten gro\u00dfen Verpflegungspunkt bei La Salle im Aostatal. Ich liege zwar noch gut in der Zeit, jedoch hat meine Frische unter der Hitze etwas gelitten. Ich beschlie\u00dfe eine l\u00e4ngere Pause von 15 Minuten zu machen und ausgiebig zu essen und zu trinken. Klingt eigentlich nach einem guten Plan. Jedoch nicht ganz so ganz ideal, wie sich bald herausstellen sollte. Richtig w\u00e4re gewesen die Pause kurz zu halten und w\u00e4hrend der Fahrt zu essen. Als ich mich einige Zeit sp\u00e4ter wieder aufs Rad schwinge merke ich bald, das die Spannung weg und der Schwung raus ist. Meine Vermutung: die Pause war zu lang. Die volle Konsequenz sp\u00fcre ich dann nach weiteren 6 Kilometern als die Strecke bei Pr\u00e9-Saint-Didier in Richtung La Thuile hoch zum Kleinen Sankt Bernhard Pass abbiegt. Ich bekomme pl\u00f6tzlich keinen Druck mehr auf\u2019s Pedal. Mein Puls ist im Keller. Immerhin funktioniert mein \u201eDiesel\u201c zwar noch und ich f\u00fchle mich im Anstieg nicht schlecht. An Beschleunigung ist aber nicht mehr zu denken. So ein Mist! Bei diesem Schneckentempo (durchschnittlich 11 km\/h) l\u00e4uft die Zeit voll gegen mich. Immerhin kann man bei der Auffahrt zum Kleinen Sankt Bernhard wirklich jeden einzelnen Kilometer genie\u00dfen \u2013 ganz im Gegensatz zu seinem gro\u00dfen Namensvetter. Der Petit Saint Bernard \u00a0ist wirklich ein MUSS in jeder P\u00e4sse-Sammlung eines Radfahrers!<\/p>\n<div id=\"attachment_1393\" style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_letzte_kilometer.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1393\" class=\" wp-image-1393 \" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_letzte_kilometer.jpg\" alt=\"EInige Kilometer unterhalb der Passh\u00f6he des Col de Petit Saint-Bernard\" width=\"1280\" height=\"960\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_letzte_kilometer.jpg 1280w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_letzte_kilometer-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_letzte_kilometer-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1393\" class=\"wp-caption-text\">EInige Kilometer unterhalb der Passh\u00f6he des Col de Petit Saint-Bernard<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach 13 Stunden und 41 Minuten erreiche ich um fast schon 19 Uhr die Passh\u00f6he des kleinen Sankt Bernhard auf 2188 Meter \u00fcber dem Meer. Gesamtstrecke bis hierher: 244 km. Gesamtanstieg: 5800 m.<\/p>\n<div id=\"attachment_1395\" style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_passhoehe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1395\" class=\" wp-image-1395\" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_passhoehe.jpg\" alt=\"20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_passhoehe\" width=\"1280\" height=\"960\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_passhoehe.jpg 1280w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_passhoehe-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_passhoehe-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1395\" class=\"wp-caption-text\">Abendstimmung auf dem Col de Petit Saint-Bernard auf 2188 Meter<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich liege wirklich nicht mehr gut in der Zeit und eine kurze Pause brauche ich auch noch, bevor ich in die Abfahrt gehe. Ob das noch reicht zum Finishen? Die Frage ist \u00fcberfl\u00fcssig, weil unwichtig! Im Moment! Alles was ab hier kommt ist ohnehin Zugabe. Und vor allem kommt jetzt erst einmal noch eine Abfahrt und dann sehen wir weiter. Ich hatte an diesem Tag zwar schon frischere Momente, aber K.O. f\u00fchle ich mich bei weitem noch nicht. \u201eS\u2018 geht halt nimmer so schnell, aber s\u2018 geht no\u201c. An dieser Aussage besteht kein Zweifel! Kurz nach 19 Uhr schie\u00dfe ich dem Sonnenuntergang entgegen, runter ins Tal nach Bourg-Saint-Maurice.<\/p>\n<div id=\"attachment_1394\" style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_oben_abfahrt.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1394\" class=\" wp-image-1394 \" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_oben_abfahrt.jpg\" alt=\"20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_oben_abfahrt\" width=\"1280\" height=\"960\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_oben_abfahrt.jpg 1280w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_oben_abfahrt-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_oben_abfahrt-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1394\" class=\"wp-caption-text\">Auch der der Kleine Sankt Bernhard Pass bietet tolle Ausblicke, die man aber besser im Stehen geniessen sollte. Die Abfahrt fordert volle Kontentration, allem voran nach 14 Stunden im Sattel.<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_1396\" style=\"width: 970px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_abfahrt_bourg_st_maurice.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1396\" class=\" wp-image-1396 \" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_abfahrt_bourg_st_maurice.jpg\" alt=\"Blick auf Bourg-Saint-Maurice bei der Abfahrt vom Kleinen Sankt Bernhard\" width=\"960\" height=\"1280\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_abfahrt_bourg_st_maurice.jpg 960w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_abfahrt_bourg_st_maurice-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20110801_tdmb_col_petit_st_bernhard_abfahrt_bourg_st_maurice-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1396\" class=\"wp-caption-text\">Blick auf Bourg-Saint-Maurice bei der Abfahrt vom Kleinen Sankt Bernhard<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur nichts riskieren. Ein paar km\/h mehr auf der Abfahrt bringen zeitlich rein gar nichts. Hauptsache sicher, ohne Panne aber trotzdem einigerma\u00dfen flott nach unten kommen. Und dann wieder angreifen auf den n\u00e4chsten Anstieg zum Cormet de Roselend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sicher und flott runtergekommen bin ich schon, aber das mit dem \u201eAngriff\u201c auf den Cormet de Roselend wollte anschlie\u00dfend nicht so richtig klappen. Es ist bereits viertel vor acht, als ich in Bourg-Saint-Maurice den Ausgangspunkt f\u00fcr die Kletterpartie auf den 1968 m hohen Cormet de Roselend unter die R\u00e4der nehme. Die Stra\u00dfe Richtung Pass wirkt bereits ausgestorben. Die vor kurze noch brennende Sonne schickt jetzt gerade noch ihre letzten Strahlen \u00fcber die Bergketten. 20 Kilometer Anstieg mit guten 1200 m H\u00f6hendifferenz stehen nun auf dem Plan. So richtig \u00fcberzeugen kann mich meine erste \u201eAttacke\u201c auf den Cormet de Roselend nicht. Mein Puls gurkt trotz der nicht gerade flachen Stra\u00dfe irgendwo zwischen 120 und 130 rum. Ich wei\u00df das bedeutet nichts Vielversprechendes. Also ab in den Sparmodus: geben was drin ist, aber ja nicht \u00fcberzocken. Von wenigen Ausnahmen zu Beginn des Anstiegs abgesehen pendelt sich die digitale Tachonadel nun im Schnitt bei 10 km\/h ein. Meine G\u00fcte, bis ich da oben am Roselend bin ist es ja fast 22 Uhr! Hochsommertag hin oder her, um die Zeit ist es dann doch schon stockfinster. Nicht dass f\u00fcr mich radeln bei Dunkelheit grunds\u00e4tzlich ein Problem w\u00e4re. Aber irgendwie muss ich ja den Pass ja wieder runterfahren wenn ich zum Ziel will\u2026Ich schiebe weitere Gedankeng\u00e4nge beiseite und konzentriere mich erst einmal auf die Aufgabe direkt vor mir. Das ist hart genug. Die D902 verl\u00e4uft zun\u00e4chst ohne viele Schn\u00f6rkel aus Bourg-Saint-Maurice in Richtung Norden. Erst bei Cr\u00eate Bettex nach ca. 6 Kilometer tauchen die ersten Kehren auf. Es ist fast halb neun und die D\u00e4mmerung taucht das Tal, in dem ich mich Meter f\u00fcr Meter in Richtung Gipfel bewege, in ein unwirkliches Licht. Bei aller Anstrengung und aller M\u00fche: diese karge Berglandschaft der Savoyen in der untergehenden Sonne ist wirklich beeindrucken. Was die Fahrt um diese Zeit zus\u00e4tzlich besonders macht ist die Stille die mich umgibt. Das hier ist eine Radsportveranstaltung mit gut 100 und kein \u00d6ztaler mit 10000 Teilnehmern. Das bedeutet, dass sich nach knapp 300 Kilometern das Fahrerfeld komplett verlaufen hat. Bereits seit dem Kleinen Sankt Bernhard fahre ich absolut solo. Auch der Autoverkehr der Sonntagsausfl\u00fcgler ist um diese Uhrzeit bereits verebbt. Das dominierende Ger\u00e4usch in dieser Stille ist mein eigener Atem. Als ich die Kehren erreiche, erkenne ich in der Ferne einen Mitstreiter. Wie weit der wohl weg ist? Es sieht nicht so weit aus, aber in Wirklichkeit ist er unerreichbar, das ist mir klar. Entfernungen in den Bergen sind tr\u00fcgerisch. Meistens gaukeln einem die Berge N\u00e4he vor. Tats\u00e4chlich ist alles unendlich weit entfernt. Immerhin: ich komme dem anderen Fahrer zwar nicht n\u00e4her, aber ich kann ihn im Blick behalten. Kurbeln, einfach immer weiterkurbeln. Irgendwann komme ich schon oben an. Mit 10 km\/h dauert das zwar etwas l\u00e4nger, aber oben ankommen werde ich. Das Witzige ist, dass ich mich bei weitem nicht ersch\u00f6pft f\u00fchle. Ersch\u00f6pfung definiere ich ganz anders, das wei\u00df ich sp\u00e4testens seit dem \u201eLa Ventoux\u201c im Juni. Ich kann nur hier und jetzt einfach nicht mehr beschleunigen. Ich habe das Gef\u00fchl, ich k\u00f6nnte ewig so weiterfahren. Nicht gerade nach einer ganzen, aber nach einer gef\u00fchlten Ewigkeit erreiche ich endlich die Passh\u00f6he des Cormet de Roselend auf 1968 m.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die n\u00fcchternen Daten bis hierher:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fahrzeit: 16 Stunden, 39 Minuten und 17 Sekunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Strecke: 300 Kilometer<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufstieg: 7000 H\u00f6henmeter<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist kurz vor 22 Uhr. Der letzte Schimmer des Tageslichts verschwindet in der Ferne hinter den Bergen. Oben an der Passh\u00f6he steht das \u201evoiture-balai\u201c \u2013 der gef\u00fcrchtete Besenwagen. Zu meiner \u00dcberraschung stehen auch noch ein paar andere Teilnehmer herum. Alle Fahrer, die um diese Zeit noch am Cormet der Roselend stehen, liegen klar, also ca. 1 Stunde au\u00dferhalb des Zeitlimits. Der Veranstalter spricht mit den Teilnehmern. Jeder kann gerne noch weiterfahren, jedoch ohne Startnummer und damit absolut auf eigene Verantwortung. Ich hatte schon kurz vor dem Erreichen des Gipfels meinen diesbez\u00fcglichen Gedankengang von Bourg-Saint-Maurice wieder aufgenommen: Bringe ich das hier zu Ende? Muss ich das hier zu Ende bringen? Von der Passh\u00f6he bis hinunter nach Beaufort sind es 20 km Abfahrt. Geschenkt! Das Problem dabei: Es ist absolut stockdunkel und ich kenne die Strecke nicht. Die kleine Funzel, die ich heute fr\u00fch beim Losfahren verwendet habe, ist hier keine richtige Hilfe. Au\u00dferdem sitze ich seit mittlerweile fast 17 Stunden im Sattel. Ein kleiner Fehler in der Abfahrt k\u00f6nnte fatal sein. Und eine Stunde lang den Berg runter bremsen will ich auch nicht. Die knapp 15 km und 1000 H\u00f6henmeter Anstieg nach Les Saisies w\u00e4ren sicherlich nicht das Problem. Irgendwann nach weiteren eineinhalb Stunden w\u00fcrde ich da oben dann schon ankommen. Das Tolle beim bergauffahren ist n\u00e4mlich: St\u00fcrze sind zumeist nicht wirklich schmerzhaft\u2026 die Langsamkeit kann beim Radeln auch dein Freund sein \ud83d\ude42<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gedanklich habe ich das Rennen hier schon erfolgreich beendet. Also ist die Frage: Ist es wirklich so wichtig das Event hier auch de facto zu Finishen? Die Antwort ist klar: Nein, es ist nicht wirklich wichtig. Ich fahre jetzt seit 2005 Jedermannrennen und Marathons und habe bisher noch alles gefinisht. Allerdings habe ich wichtige Entscheidungen immer spontan aus dem Bauch heraus getroffen. Und im Moment sagt mir mein Bauchgef\u00fchl, dass es jetzt reicht. Das Risiko der Abfahrt im Dunkeln, jetzt und in genau in dieser Situation, ist unn\u00fctz. Mein Motto bei Rennen und Marathons war und ist immer das Gleiche: Kein Sturz, keine Panne und nicht\u00a0 Letzter werden. Das gilt und zwar genau in dieser Reihenfolge. Klar, so ganz einfach ist die Entscheidung aufzuh\u00f6ren nicht. Es w\u00e4re auch komisch, wenn es einfach w\u00e4re. Wenn ich bei einem Marathon ganz ohne Ziel und Ehrgeiz losfahre, sollte ich es bleiben lassen. Ohne Ziel und Ehrgeiz kann man es n\u00e4mlich auch einfacher, netter und billiger haben: man nennt das dann \u201eRadtour\u201c! Wie auch immer: Ich nehme den Helm und die Handschuhe ab und packe das Rad in den Besenwagen. Mit mir steigen auch noch zwei weitere Teilnehmer in der Besenwagen ein und damit aus dem Rennen aus. Zwei oder drei fahren jedoch weiter. Irgendwann ist immer das erste Mal. Und heute ist halt das erste Mal, dass ich ein Rennen nicht beende. Es gibt wirklich Schlimmeres, vor allem wenn ich bedenke, wie der Tag gelaufen ist. Es war ein herrlicher Tag und ein unvergleichliches Erlebnis. Allerdings ist mir das, in diesem Moment noch nicht so ganz bewusst. In dem Moment, in dem der Besenwagen wieder losf\u00e4hrt, ist mein Kopf leer. Es ist ein ganz anderes komisches Gef\u00fchl. Bei mir ist es in diesem Moment nicht Entt\u00e4uschung, aber es ist auch nicht Erleichterung. Ich h\u00e4tte ja vielleicht noch weiterfahren k\u00f6nnen\u2026? Die Stecke runter nach Beaufort ist wirklich recht kurvig, aber die Stra\u00dfe schient gut und breit zu sein. Meine Aussagen an dieser Stelle m\u00fcssen vage bleiben, denn es ist ohne Zweifel und wie erwartet stockfinster. Die Stra\u00dfe geht nach dem Lac de Roselend durch den Wald und irgendwie ist die Beleuchtung hier eher bescheiden. Selbst der Fahrer unseres Autos \u201etastet\u201c sich nur langsam nach unten. Von Beaufort qu\u00e4lt sich das Auto dann hoch zum Ziel nach Les Saisies. Ab Hauteluce bin \u00fcberrascht: es befinden sich zu diesem Zeitpunkt noch etliche Fahrer auf den letzten Kilometern hoch zum Ziel. W\u00e4re ich insgesamt nur eine halbe Stunde schneller gewesen, dann w\u00fcrde auch ich mich nun wie diese Fahrer auf der Anfahrt zum Ziel befinden. W\u00e4re, h\u00e4tte, w\u00fcrde\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Ziel angekommen bekomme ich nicht mehr viel mit. Es ist nach Mitternacht. Die Siegerehrung ist l\u00e4ngst vorbei. Es sitzen noch einige Fahrer zusammen und unterhalten sich. Die Veranstalter haben bereits damit begonnen den \u201ekleinen Zirkus\u201c wieder abzubauen. Und trotzdem: diejenigen Fahrer, die wir gerade \u00fcberholt haben und die nun noch so nach und nach im Ziel eintreffen werden eifrig beklatsch von denen die noch vereinzelt herumstehen. Wer so eine Veranstaltung noch nie mitgemacht hat, der w\u00fcrde eine solche Szene vielleicht als seltsam oder gar trist empfinden: Eine Zieleinfahrt weit nach Mitternacht vor einer Hand voll Zuschauern, die auch noch mehr oder minder zuf\u00e4llig rumstehen. Doch der Eindruck t\u00e4uscht. Der Triumph den diese Fahrer versp\u00fcren ist innerlich. Das Drumherum ist nett, aber f\u00fcr die meisten nur nebens\u00e4chlich. Wer hier nicht unter den Top 10 ins Ziel f\u00e4hrt, sondern fast 7 Stunden nach dem Sieger, der f\u00e4hrt nur f\u00fcr sich selbst. Es erscheint paradox, aber ich glaube viele von denen, die nun als letztes ins Ziel kommen f\u00fchlen sich mehr als Sieger als diejenigen bereits vor Stunden den Zielstrich passiert haben. Genau darum sind Radmarathons wahrscheinlich auch so beliebt: Nur einer kann gewinnen, aber fast jeder kann ein Sieger sein. Ich packe mein Rad und meine sieben Sachen in mein Auto und freue mich auf ein Bett, eine M\u00fctze Schlaf und den Milchkaffee am n\u00e4chsten Morgen. Und am n\u00e4chsten Morgen packe ich es dann auch wieder an. Mein Ziel: Hoch zum Cormet der Roselend und mal schauen wie die Abfahrt runter nach Beaufort so ist \ud83d\ude42<\/p>\n<div id=\"attachment_1397\" style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20100928_tdmb_lac_roselend.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1397\" class=\" wp-image-1397 \" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20100928_tdmb_lac_roselend.jpg\" alt=\"20100928_tdmb_lac_roselend\" width=\"1280\" height=\"960\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20100928_tdmb_lac_roselend.jpg 1280w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20100928_tdmb_lac_roselend-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20100928_tdmb_lac_roselend-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1397\" class=\"wp-caption-text\">Der Lac de Roselend mit dem majest\u00e4tischen Mont Blanc Massiv im Hintergrund. Trotzdem kaum zu glauben, dass man 330 km ben\u00f6tigt um des zum umrunden!<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Epilog:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will es nicht sch\u00f6n reden. Nat\u00fcrlich w\u00e4re ich bei dieser ersten Auflage der Tour du Mont Blanc gerne auf dem Radl \u00fcber den Zielstrich gefahren. Das \u201eZauber-Verb\u201c erf\u00fcllen: finishen! Wer ganz ohne Ambition bei einer solchen Veranstaltung startet, der ist irgendwie fehl am Platz. Den Spa\u00df der Strecke und der Landschaft kann man wie bereits gesagt auch einfacher haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr mich waren an diesem Tag die \u00e4u\u00dferen Bedingungen top. Meine Kondition und mein \u00a0Gef\u00fchl haben gepasst wie selten zuvor. Aber es hat halt an diesem Tag einfach nicht gereicht. Ich habe ein paar taktische Fehler gemacht und vor allem war ich nat\u00fcrlich einen Tick zu langsam. An diesem Tag haben die kleinen Dinge den Unterschied gemacht. Und trotzdem steht unter dem Strich eine Leistung von 300 km und 7000 H\u00f6henmeter in unter 17 Stunden. Man kann viel andere namhafte Marathons erfolgreich beenden und kommt nicht ann\u00e4hern an diese Daten ran. Schade, dass es nicht zum Finish gereicht hat. Aber \u00fcber die Leistung an sich freue ich mich trotzdem. An diesem Tag und bei dieser Veranstaltung hat es halt nun einmal nicht gereicht, obwohl ich bis zuletzt daran geglaubt habe. Daf\u00fcr wird es aber auch wieder einen anderen Tag mit Zweifeln geben, an dem ich mich letztlich wundern werde, wie gut es gelaufen ist und dass ich es geschafft habe. Das war also jetzt mein erstes Rennen mit einem DNF (did not finish \/ nicht beendet). An diesem Tag war letztlich die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung zu wissen wann Schluss ist. Diese Herausforderung habe ich an diesem Tag gemeistert und ich wei\u00df jetzt einmal mehr, dass ich mich auf meine innere Stimme verlassen kann.<\/p>\n<div id=\"attachment_1343\" style=\"width: 1334px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20100720_tour_du_mont_blanc_034a_75.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1343\" class=\" wp-image-1343\" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20100720_tour_du_mont_blanc_034a_75.jpg\" alt=\"20100720_tour_du_mont_blanc_034a_75\" width=\"1324\" height=\"905\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20100720_tour_du_mont_blanc_034a_75.jpg 1324w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20100720_tour_du_mont_blanc_034a_75-300x205.jpg 300w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/20100720_tour_du_mont_blanc_034a_75-1024x699.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1324px) 100vw, 1324px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1343\" class=\"wp-caption-text\">Der Cormet de Roselend. Der Endpunkt meiner Tour du Mont Blanc 2010 am Tag danach. \u00dcbrigens: es ist eine echt geniale Abfahrt runter nach Beaufort \ud83d\ude42<\/p><\/div>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #008000;\">Karte (Rechtsklick auf Download und &#8222;Ziel speichern unter&#8230;&#8220; um die gpx-Datei herunterzuladen):<\/span><\/li>\n<\/ul>\n[sgpx gpx=&#8220;\/wp-content\/uploads\/gpx\/tour_du_mont_blanc_2010_140225.gpx&#8220;]<b><br \/>\n<\/b><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #008000;\">Detailliertes Streckenprofil (klicken zum Vergr\u00f6\u00dfern):<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/p_tour_du_mont_blanc_2010_140225.png\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-1371\" src=\"http:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/p_tour_du_mont_blanc_2010_140225.png\" alt=\"p_tour_du_mont_blanc_2010_140225\" width=\"1162\" height=\"868\" srcset=\"https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/p_tour_du_mont_blanc_2010_140225.png 1162w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/p_tour_du_mont_blanc_2010_140225-300x224.png 300w, https:\/\/www.radl-kini.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/p_tour_du_mont_blanc_2010_140225-1024x764.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1162px) 100vw, 1162px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Samstag, der 17. Juli 2010 gegen 19 Uhr. Ich verlasse das Race-Briefing zur ersten Auflage der Tour du Mont Blanc im kleinen Bergdorf Les Saisies in den franz\u00f6sischen Savoyen. Viel Neues habe ich nicht erfahren. Das \u00dcbliche halt: Abfahrtszeit, Streckenbeschilderung, die Stra\u00dfen sind nicht gesperrt, unbedingt an die Verkehrsregeln halten, wo befinden sich die Verpflegungsstellen und nicht zuletzt die Kontrollpunkte mit den Karenzzeiten. Wie gesagt, das \u00dcbliche halt. Aber: Ein Radmarathon, f\u00fcr den es am Vorabend ein eigenes Race-Briefing gibt, das deutet schon irgendwie auf ein besonderes Ereignis hin. Bei einem normalen Radmarathon holt man sich seine Startnummer ab, teilweise sogar erst am Tag des Rennens selbst, und gut ist\u2019s. 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